Bullmastiff

Bullmastiff

FCI #157FCI-Anerkennung: 2023Standard PLStandard EN

FCI-Gruppe

2FCI 157

Größe

Groß

Herkunftsland

GB

Höhe

61-69 cm

Gewicht

41-59 kg

Lebenserwartung

10-11 Jahre

Temperament

IntelligentRuhigSanft

Überblick

Bullmastiff ist eine faszinierende Hunderasse, deren Wurzeln im 19. Jahrhundert in Großbritannien liegen. Sie entstand durch gezielte Kreuzung mächtiger englischer Mastiffs mit mutigen Bulldogs, was zu einem Hund mit außergewöhnlicher Stärke, Agilität und Entschlossenheit führte. Ursprünglich wurde der Bullmastiff von Wildhütern (gamekeeper) eingesetzt, um Landbesitz vor Wilderern zu schützen. Seine Aufgabe war es, Eindringlinge leise zu verfolgen und sie dann ohne Verletzungen zu Boden zu bringen – daher die Bezeichnung nächtlicher Wächter des Wildhüters.

Der moderne Bullmastiff ist ein Hund mit beeindruckendem, muskulösem Körperbau, der die Stärke der Mastiffs mit der Entschlossenheit der Bulldogs vereint. Er zeichnet sich durch massiven, quadratischen Kopf mit breitem Schädel und kurzer Schnauze aus, was ihm einen unverwechselbaren, edlen Ausdruck verleiht. Der Körper ist gut bemuskelt, mit starkem Rücken und tiefem Brustkorb. Das kurze, glatte Fell kommt in drei Grundfarben vor: fawn, gestromt und rot, immer mit einer charakteristischen schwarzen Maske im Gesicht. Es ist ein harmonischer und ausgeglichener Hund, der trotz seiner mächtigen Statur nicht ungeschickt wirkt.

Der Charakter des Bullmastiffs ist eines seiner größten Vorzüge. Trotz seiner beeindruckenden Größe ist er ein sanfter, geduldiger und äußerst treuer Hund seiner Familie gegenüber. Seine Loyalität zu seinen Besitzern kennt keine Grenzen – der Bullmastiff strebt natürlich danach, seine Lieben zu schützen, tut dies jedoch mit Bedacht und Intelligenz, ohne unnötige Aggression zu zeigen. Er ist wachsam und aufmerksam, kann Situationen schnell einschätzen und angemessen auf das Gefahrenniveau reagieren. Im Umgang mit Kindern zeigt er außergewöhnliche Zärtlichkeit und Geduld, was ihn zu einem hervorragenden Familienhund macht.

Bei der Entscheidung für einen Bullmastiff sollte man sich der spezifischen Anforderungen dieser Rasse bewusst sein. Er benötigt konsequente Erziehung von Welpenalter an sowie einen Besitzer, der bestimmt, aber gleichzeitig sanft im Umgang ist. Der Bullmastiff ist kein Hund für Anfänger – seine Stärke und sein unabhängiger Charakter erfordern Erfahrung im Umgang mit großen Hunden. Diese Rasse benötigt moderate körperliche Aktivität und Lebensraum, obwohl sie nicht so anspruchsvoll ist wie typische Arbeitshunderassen. Aufgrund gesundheitlicher Prädispositionen wie Hüftgelenksdysplasie oder Herzprobleme sind regelmäßige tierärztliche Kontrollen und eine ausgewogene Ernährung von entscheidender Bedeutung. Für diejenigen, die seine Natur und Bedürfnisse verstehen, wird der Bullmastiff ein wunderbarer, treuer Lebensbegleiter sein.

Bullmastiff ist ein Hund mit einer beeindruckenden, kraftvollen Statur, der Selbstbewusstsein und Noblesse ausstrahlt. Es handelt sich um eine Rasse großer Hunde mit massiver, gut proportionierter Bauweise. Laut FCI-Standard beträgt die Schulterhöhe 64-69 cm bei Rüden und 61-66 cm bei Hündinnen, mit einem Gewicht von jeweils 50-59 kg (Rüden) und 41-50 kg (Hündinnen). Ein charakteristisches Merkmal des Bullmastiffs ist seine mächtige, symmetrische Statur, die Kraft mit Harmonie verbindet – der Hund wirkt nicht unbeholfen oder schwerfällig, sondern ist agil und aktiv.

Der Kopf ist das Aushängeschild der Rasse – er ist groß, breit und quadratisch, mit einem ausgeprägten Stop und gut gefüllten Wangen. Die Schnauze ist breit, mit gut geöffneten Nasenlöchern, die eine hervorragende Belüftung ermöglichen. Die Schnauze ist kurz und breit, was etwa ein Drittel der Gesamtlänge des Kopfes (gemessen von der Nasenspitze bis zum Hinterkopf) ausmacht und dem Hund einen charakteristischen, harten Ausdruck verleiht. Die Lippen hängen nicht unterhalb der Unterkieferlinie. Die Augen sind von mittlerer Größe, dunkelbraun oder dunkel, weit auseinanderstehend und drücken Intelligenz und Wachsamkeit aus. Die Ohren in V-Form sind hoch und weit angesetzt, relativ klein und liegen an den Wangen an, was die quadratische Form des Schädels zusätzlich betont.

Der Körper des Bullmastiffs ist kompakt und muskulös. Der Hals ist stark bemuskelt, gewölbt und von mäßiger Länge, was die Kraft des Hundes unterstreicht. Der Rücken ist kurz und gerade und führt zu einer breiten und tiefen Brust, die eine hervorragende Kapazität für Lunge und Herz bietet. Die Schulterblätter sind gut zurückgesetzt, und die Vorderbeine sind gerade, mit einem starken Knochenbau. Die Hinterbeine sind stark und gut bemuskelt, mit deutlich ausgeprägten Gelenkwinkeln. Der Schwanz ist hoch angesetzt, dick an der Basis und verjüngt sich zur Spitze, wird gerade oder mit leichter Krümmung getragen und sollte niemals über die Rückenlinie gehoben werden.

Fell und Farbe: Der Bullmastiff hat ein kurzes, hartes und glatt anliegendes Fell, das einen natürlichen Schutz vor Witterungseinflüssen bietet. Es sind drei Grundfarben zulässig:

  • Fawn – von hellem Beige bis zu tiefem Rehbraun
  • Gestromt – dunkle Streifen auf fawn-farbenem Grund
  • Rot – von hellem Rot bis zu tiefem Mahagoni-Ton

Unabhängig von der Farbe sollte der Bullmastiff immer eine charakteristische schwarze Maske auf der Schnauze haben, die sich um die Augen und die Nase zieht und dem Hund ein unverwechselbares, edles Aussehen verleiht. Die Brust kann kleine weiße Abzeichen aufweisen, diese sind jedoch in der Zuchtshow unerwünscht.

Charakteristische Merkmale

Gut mit Kindern
Toleriert kaltes Wetter
Leicht zu pflegen
Benötigt viel Platz
Entweicht nicht

Vorteile

  • Ausgezeichneter Wachhund mit natürlichem Schutzinstinkt
  • äußerst loyal und der Familie gegenüber hingebungsvoll
  • sanft und geduldig im Umgang mit Kindern
  • intelligent und aufmerksam
  • moderate Bewegungsbedürfnisse
  • kurzes Fell
  • das keine intensive Pflege erfordert.

Nachteile

  • Erfordert einen erfahrenen Besitzer aufgrund seiner Stärke und seines unabhängigen Charakters
  • Neigung zu ernsthaften Gesundheitsproblemen (Dysplasie
  • Herzkrankheiten
  • Tumoren)
  • kurze durchschnittliche Lebensdauer (8-10 Jahre)
  • verträgt Hitze schlecht aufgrund der kurzen Schnauze
  • Tendenz zum Speicheln
  • benötigt Wohnraum und ist nicht für kleine Wohnungen geeignet
  • hohe Kosten für tierärztliche Betreuung und Ernährung.

Verhaltensbewertungen

Rassengeschichte

Die Geschichte des Bullmastiffs ist eine faszinierende Erzählung über die gezielte Züchtung einer Rasse, die perfekt auf spezifische Bedürfnisse abgestimmt ist – den Schutz von Ländereien vor Wilderern im 19. Jahrhundert in England. Im Gegensatz zu vielen alten Rassen, deren Herkunft im Dunkel der Geschichte verloren gegangen ist, hat der Bullmastiff eine relativ junge und gut dokumentierte Geschichte, die bis etwa 1860 zurückreicht.

Die Herkunft der Rasse – der Kampf gegen das Wildern:

Im 19. Jahrhundert war das Wildern ein ernstes Problem für britische Landbesitzer und ihre Wildhüter. Wilderer agierten unter dem Schutz der Nacht, oft bewaffnet und gefährlich, und die Durchsetzung der Jagdgesetze war schwierig und riskant. Die bestehenden Hunderassen erfüllten nicht alle Anforderungen – Mastiffs waren mächtig, aber zu langsam und unbeholfen, während Bulldogs mutig und wendig, aber zu klein waren, um einen erwachsenen Mann effektiv zu Boden zu bringen.

Die Wildhüter benötigten einen Hund, der Folgendes vereinte:

  • Kraft und Masse des Mastiffs – um einen Eindringling zu Boden zu bringen
  • Mut und Entschlossenheit des Bulldogs – für furchtlose Konfrontationen
  • Geschwindigkeit und Wendigkeit – für leises Verfolgen und schnellen Angriff
  • Dunkles Fell – zur Tarnung in der Nacht
  • Kontrollierte Aggression – der Hund sollte den Wilderer aufhalten, nicht töten

Die Entstehung der Rasse – Kreuzung von Mastiff und Bulldog:

Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, begannen englische Züchter systematisch, alte englische Mastiffs (Old English Mastiff) mit Bulldogs (Bulldog) im Verhältnis von etwa 60% Mastiff / 40% Bulldog zu kreuzen. Das Ergebnis war eine Rasse namens Gamekeeper's Night Dog (Nacht-Hund des Wildhüters) oder einfach Bullmastiff. Der Name spiegelt perfekt die Herkunft wider: bull (Bulldog) + mastiff (Mastiff).

Anfänglich wurde ein dunkles gestromtes Fell bevorzugt, das die Hunde während der nächtlichen Patrouillen am besten tarnte. Bullmastiffs verfolgten Wilderer in Stille, griffen auf Kommando an und brachten sie zu Boden, ohne ernsthafte Verletzungen zuzufügen, bis der Wildhüter eintraf. Diese Fähigkeit zur kontrollierten Aggression war entscheidend – der Hund sollte ein Werkzeug zur Durchsetzung des Gesetzes sein, nicht ein Mörder.

Entwicklung und Standardisierung (1860-1924):

Über Jahrzehnte hinweg wurden Bullmastiffs hauptsächlich nach Funktionalität und nicht nach Ausstellungsoptik gezüchtet. Doch als das Wildern mit der Entwicklung des Rechts und der Zivilisation abnahm, begann sich die Rolle des Hundes zu verändern. Bullmastiffs begannen, Funktionen als Wachhunde für Anwesen, Fabriken und Minen sowie als Familienbegleithunde zu übernehmen.

Im Jahr 1901 stellte der Züchter Mr. Burton von Thorneywood Kennels den ersten Bullmastiff auf einer Hundeshow vor. 1924 erkannte The Kennel Club (Vereinigtes Königreich) den Bullmastiff offiziell als eigene Rasse an und veröffentlichte den ersten Rassestandard. In derselben Zeit erkannte auch der American Kennel Club (AKC) die Rasse an (1933), was ihre Position in der Welt festigte.

Mossy und Farcroft Kennels – Ikonen der Rasse:

Einer der bekanntesten frühen Bullmastiffs war ein Hund namens Mossy, der Mr. Burton gehörte. Mossy wurde als ideales Beispiel der Rasse beschrieben – mächtig, mutig, aber sanft gegenüber der Familie. Die Zucht Farcroft Kennels, gegründet von Mr. Moseley, hatte einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Rasse und legte viele Merkmale fest, die den modernen Bullmastiff definieren.

Bullmastiff im Dienst:

Bullmastiffs dienten nicht nur als Privatpersonen, sondern auch:

  • In der britischen Armee – während beider Weltkriege als Wach- und Spürhunde
  • In der Polizei – in mehreren Ländern als Patrouillenhunde
  • In der Sicherheit – zum Schutz von Fabriken, Lagerräumen, Anwesen
  • In Südafrika – zum Schutz von Diamantenminen vor Diebstahl (De Beers Diamond Company)

Die Evolution des Charakters und Aussehens:

Im Laufe der Zeit begannen Züchter, mehr Wert auf einen sanfteren Temperament und einen familienfreundlicheren Charakter zu legen, während sie den Wachinstinkt beibehielten. Der moderne Bullmastiff ist ein deutlich ruhigerer und geselligerer Hund als seine Vorfahren, behält jedoch seinen Mut und seine Wachsamkeit.

Auch das Aussehen hat sich verändert – der moderne Bullmastiff hat einen etwas massiveren Kopf und eine quadratischere Silhouette als frühe Exemplare. Auch die akzeptierten Fellfarben wurden erweitert – neben gestromt sind nun auch fawn und rot zulässig, wobei die schwarze Maske weiterhin obligatorisch bleibt.

Bullmastiff heute:

Der moderne Bullmastiff ist ein geschätzter Familienhund und Begleiter, der seine Wurzeln als Wächter bewahrt hat. Die Rasse erfreut sich weltweit großer Beliebtheit, insbesondere in:

  • Vereinigtes Königreich (Wiege der Rasse)
  • Vereinigte Staaten
  • Kanada
  • Australien
  • Kontinentaleuropa

Der Bullmastiff ist auch in der Popkultur aufgetaucht – der bekannteste Vertreter der Rasse war Butkus, der Bullmastiff von Sylvester Stallone, der im Film Rocky (1976) auftrat. Stallone selbst besaß in Wirklichkeit einen Bullmastiff und brachte ihn in den Film ein, was zur steigenden Beliebtheit der Rasse in den USA beitrug.

Vermächtnis:

Die Geschichte des Bullmastiffs ist ein hervorragendes Beispiel für gezielte funktionale Zucht, bei der Menschen eine Rasse geschaffen haben, die perfekt auf spezifische Aufgaben abgestimmt ist. Vom nächtlichen Verfolger von Wilderern über Militär- und Polizeihunde bis hin zum modernen Familienbegleiter hat der Bullmastiff eine faszinierende Evolution durchlaufen und dabei seine Essenz bewahrt: Mut, Loyalität und Zuverlässigkeit. Er ist ein lebendiges Zeugnis der britischen kynologischen Tradition und bleibt eine der edelsten und treuesten Rassen der Welt.