Tiroler Bracke

Tiroler Bracke

FCI #68FCI-Anerkennung: 1996Standard PLStandard EN

FCI-Gruppe

6FCI 68

Größe

Mittel

Herkunftsland

AT

Höhe

42-50 cm

Gewicht

15-22 kg

Lebenserwartung

11-13 Jahre

Temperament

Hoher JagdtriebUnabhängigStabiles Temperament

Überblick

Tiroler Bracke ist ein außergewöhnlicher Jagdhund mit einer reichen Geschichte, der seit Jahrhunderten Hundeliebhaber auf der ganzen Welt fasziniert. Er stammt aus dem malerischen Österreich, genauer gesagt aus der Region Tirol, wo er erfolgreich auf Hasen, Füchse jagte und verletztes Wild im schwierigen, bergigen Gelände verfolgte. Seine faszinierende Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als Kaiser Maximilian I. persönlich seine herausragenden Jagdfähigkeiten schätzte und in seinen Jagdtagebüchern über diese Hunde berichtete.

Der Tiroler Bracke zeichnet sich aus durch einen harmonischen Körperbau: ein langes, kräftiges, rechteckiges Körperformat und gut entwickelte Muskulatur verleihen ihm die Kraft, Ausdauer und Wendigkeit, die für die Arbeit im schwierigen Berggelände erforderlich sind. Sein dichtes, doppeltes Fell schützt effektiv vor rauen Wetterbedingungen, Kälte und Feuchtigkeit, was ihn zu einem idealen Hund für die Arbeit bei jedem Wetter macht.

Es ist ein Hund mit einem breiten Kopf, charakteristischer leicht gewölbter Stirn und großen, dunklen, intelligenten Augen. Lange, an den Enden abgerundete Ohren und eine schwarze Nase sind typische Merkmale dieser Rasse, die ihr ein erkennbares, edles Aussehen verleihen.

Der Tiroler Bracke ist ein Hund voller Energie, Vitalität und Enthusiasmus, sowohl bei der Jagd als auch im täglichen Familienleben. Sein ausgeglichener, ruhiger Temperament macht ihn gesellig und loyal gegenüber der Familie, obwohl er manchmal etwas misstrauisch gegenüber Fremden ist – was eine natürliche Eigenschaft eines Wach- und Jagdhundes ist.

Trotz seines tief verwurzelten jagdlichen Erbes findet sich der Tiroler Bracke auch hervorragend in der Rolle des Familienhundes zurecht. Er liebt es, Zeit mit Kindern und anderen Tieren zu verbringen, solange er von Welpenalter an richtig sozialisiert wurde. Seine hohe Intelligenz und seine Arbeitsbereitschaft machen ihn fähig, schnell zu lernen, obwohl er Konsequenz, Geduld und Erfahrung im Training erfordert.

Eine angemessene Erziehung, regelmäßige körperliche Aktivität und geistige Stimulation sind absolut entscheidend für seine psychische und physische Gesundheit sowie sein Glück. Dies ist keine Rasse für Menschen, die einen ruhigen Lebensstil bevorzugen – der Tiroler Bracke benötigt einen aktiven Besitzer, der ihm viel Bewegung und Aufgaben bietet.

Wenn du darüber nachdenkst, einen Tiroler Bracke zu besitzen, bereite dich auf volles Engagement, zahlreiche Abenteuer und eine wunderbare Beziehung zu einem äußerst loyalen und fähigen Hund vor. In den weiteren Teilen unseres detaillierten Leitfadens wirst du alles über Gesundheit, Pflege, Training, Ernährung und andere Aspekte dieser faszinierenden österreichischen Jagdrasse entdecken.

Der Tiroler Bracke ist ein mittelgroßer Hund, mit einem gut gebauten, starken, muskulösen Körper, der proportional, harmonisch ist und auf seine Herkunft als Arbeitshund hinweist. Laut FCI-Standard beträgt seine Schulterhöhe zwischen 42 und 50 cm (sowohl Rüden als auch Hündinnen), und das Gewicht liegt zwischen 15 und 22 kg – ein Gewicht, das an die Größe und Körperstruktur angepasst ist.

Silhouette und Körperbau:

Er hat eine lange, gerade, rechteckige Silhouette – die Körperlänge übersteigt die Schulterhöhe, was ihm ein längliches, elegantes Profil verleiht. Die Knochen sind mittelstark, die Muskulatur gut entwickelt, die Muskeldefinition ist deutlich, aber nicht übertrieben. Insgesamt vermittelt er den Eindruck eines widerstandsfähigen, agilen Hundes, der in der Lage ist, lange in schwierigem Gelände zu arbeiten.

Kopf und Gesicht:

Der Kopf ist breit, proportional zum Körper, mit einer leicht gewölbten Stirn. Der Stop (Übergang von der Stirn zur Schnauze) ist deutlich ausgeprägt. Die Schnauze ist stark, gerade, mit großer, schwarzer Nase und weit geöffneten Nasenlöchern – typisch für einen Jagdhund mit ausgezeichnetem Geruchssinn.

Die Augen sind groß, dunkelbraun, rund, voller Intelligenz und Lebhaftigkeit. Der Blick des Tiroler Bracke ist aufmerksam, wachsam und drückt große Entschlossenheit aus – eine Eigenschaft, die für einen Spurhund unerlässlich ist.

Die Ohren sind lang, breit, an den Enden abgerundet, hoch angesetzt und liegen an Kopf an. Sie sind mit glattem Fell bedeckt und verleihen dem Hund ein charakteristisches, edles Aussehen.

Fell – dicht, doppelte Schutzschicht:

Das Fell des Tiroler Bracke ist kurz bis mittellang, dicht, fest im Griff und doppelt, was hervorragenden Schutz vor Regen, Schnee, Kälte und Feuchtigkeit bietet. Das Unterfell ist weich und dicht, besonders in der Winterzeit.

Fellfarben gemäß FCI-Standard:

  • Rot oder rot-gelb (die häufigste Farbe) – von hell bis tief, warmem Farbton
  • Schwarz mit Brand (schwarz-braun) – schwarzes Sattel mit braunen Abzeichen an den Beinen, Schnauze, Brust
  • Dreifärbig – schwarz mit Brand und weißen Abzeichen (seltener anzutreffen)

Weiße Abzeichen können auf der Brust, an den Pfoten, an der Schwanzspitze vorkommen – sie sind akzeptabel, sollten aber nicht dominieren.

Schwanz:

Der Schwanz ist mittel-lang, stark an der Basis, sich zur Spitze verjüngend, hoch in aufrechter Position oder leicht über dem Rücken gebogen getragen, besonders wenn der Hund aufgeregt oder in Bewegung ist. Er ist mit dichtem Fell bedeckt und verleiht seinen Bewegungen Dynamik.

Gliedmaßen und Pfoten:

Die Vorder- und Hinterbeine sind gerade, stark, gut bemuskelt, was Stabilität und Kraft gewährleistet. Die Pfoten sind kompakt, rund, mit dicken Ballen und starken Krallen – ideal für die Fortbewegung in schwierigem, steinigem Gebirgsgelände.

Bewegung:

Dank seiner harmonischen Bauweise ist der Tiroler Bracke in der Lage, sich schnell, flüssig und mit Anmut sowohl im flachen als auch im bergigen Gelände zu bewegen. Seine Bewegung ist energisch, ausdauernd, mit einem langen Schritt – typisch für einen Brackenhund, der in der Lage ist, lange Spuren zu verfolgen.

Allgemeiner Eindruck:

Der Tiroler Bracke präsentiert sich als starker, agiler, widerstandsfähiger und energiegeladener Hund. Sein Aussehen spiegelt die Funktion wider – es ist ein Arbeitshund, der in der Lage sein muss, stundenlang unter schwierigen Bedingungen in den Bergen zu arbeiten. Jedes Element seines Körperbaus dient diesem Zweck.

Charakteristische Merkmale

Gut mit Kindern
Gut mit anderen Hunden
Toleriert kaltes Wetter
Toleriert heißes Wetter
Leicht zu pflegen
Neigt zum Bellen
Benötigt viel Platz
Wenig sabbernd
Nicht anfällig für Fettleibigkeit
Nicht zum Beißen neigend
Jagdhund
Starke Gesundheit

Vorteile

  • Hohe Intelligenz und Lernfähigkeit
  • Ausgezeichnete Jagd- und Spürfähigkeiten
  • Geselliges und loyales Wesen gegenüber der Familie
  • Guter Familienhund bei entsprechender Sozialisierung
  • Robust und widerstandsfähig gegen schwierige Bedingungen
  • Dichtes Fell
  • das vor Kälte und Feuchtigkeit schützt.

Nachteile

  • Kann misstrauisch und zurückhaltend gegenüber Fremden sein
  • benötigt viel Bewegung und körperliche Aktivität
  • braucht konsequentes
  • erfahrenes Training
  • hat einen starken Jagdinstinkt – kann Wild verfolgen
  • neigt dazu
  • laut zu bellen
  • ist nicht für Anfänger-Hundebesitzer geeignet.

Verhaltensbewertungen

Rassengeschichte

Der Tiroler Bracke hat eine reiche und faszinierende Geschichte, die bis in die keltische Zeit zurückreicht, was ihn zu einer der ältesten Brackenrassen in Europa macht. Seine Wurzeln sind tief im alpinen Gebiet Tirols (Österreich) verankert, wo er über Jahrhunderte als unersetzlicher Begleiter der Jäger in schwierigem, bergigem Terrain diente.

Antike Wurzeln – Keltenbracke:

Es wird angenommen, dass der Tiroler Bracke ein Nachkomme des alten keltischen Hundes ist, bekannt als Keltenbracke. Diese alten Jagdhunde waren bereits in der vorrömischen Zeit in Mitteleuropa weit verbreitet und wurden für ihren ausgezeichneten Geruchssinn, ihre Ausdauer und ihre Fähigkeit, in schwierigem Gelände zu arbeiten, geschätzt.

Mit seinem dichten, doppelten Fell repräsentiert der Tiroler Bracke den reinsten Typ von Jagdhunden, die in den Bergen und Wäldern zur Jagd eingesetzt werden. Dieses Merkmal – das dichte, wasserabweisende Fell – war entscheidend für das Überleben und die Effizienz der Arbeit unter den rauen alpinen Bedingungen.

16. Jahrhundert – Kaiser Maximilian I. und der Beginn des Ruhms:

Bereits um 1500 verwendete Kaiser Maximilian I. (1459-1519), ein bekannter Liebhaber der Jagd und der Kynologie, diese edlen Tiroler Bracken zur Jagd in Tirol. In seinen Jagdtagebüchern erwähnte der Kaiser, dass er seine führenden Hunde (limiers) gerade aus den Tiroler Bracken auswählte, was auf ihre herausragenden Fährtenfähigkeiten und Zuverlässigkeit hinweist.

Kaiser Maximilian I. war einer der ersten Herrscher, die die Rasse schätzten und förderten, was zu ihrer Popularität unter der Aristokratie und den Jägern in der gesamten alpinen Region beitrug.

19. Jahrhundert – Systematische Zucht und Standardisierung:

Im Jahr 1860 begann die reine, systematische Zucht des Tiroler Bracken aus bestimmten Linien in Tirol. Die Züchter strebten an, die Rassemerkmale zu vereinheitlichen, ihre einzigartigen Jagdfähigkeiten zu bewahren und unerwünschte Merkmale zu eliminieren.

Von den vielen Typen und Varianten der Bracken, die in Tirol heimisch sind, haben nur zwei Farbvarianten bis in die heutige Zeit überlebt:

  • Rot (oder rot-gelb) – die häufigste Farbe
  • Schwarz mit Brand (schwarz-lohfarben)

Andere Varianten sind allmählich verschwunden oder wurden von den Hauptzuchtlinien absorbiert.

1896 – Der erste Rassestandard:

Im Jahr 1896 wurde der erste schriftliche Rassestandard entwickelt, der die gewünschten physischen Merkmale, den Charakter und die Arbeitsfähigkeiten des Tiroler Bracken detailliert beschrieb. Dies war ein entscheidender Moment in der Geschichte der Rasse – eine formale Definition und der Schutz der charakteristischen Merkmale.

1908 – Offizielle Anerkennung der Rasse:

Im Jahr 1908 wurde der Tiroler Bracke offiziell als Rasse anerkannt von kynologischen Organisationen. Seitdem erfreut sich die Rasse großer Anerkennung, insbesondere in Österreich, wo sie weiterhin weit verbreitet als Jagdhund in schwierigem Bergterrain eingesetzt wird.

1994 – Entfernung der kurzbeinigen Variante:

Im Jahr 1994 wurde die kurzbeinige Variante (kurzbeinige Version des Tiroler Bracken, die ein wenig an Bassetts erinnert) aus dem offiziellen Rassestandard entfernt. Seit diesem Zeitpunkt wird nur die standardmäßige, langbeinige Version anerkannt und gezüchtet.

Gegenwart – Jagd- und Begleithund:

Heute ist der Tiroler Bracke vor allem in Österreich, Deutschland, Italien (Südtirol) und anderen alpinen Ländern bekannt, wo er für geschätzt wird:

  • Ausgezeichnete Spürfähigkeiten – einer der besten Fährtenhunde im schwierigen Terrain
  • Unabhängigkeit und Selbstständigkeit – kann verletztes Wild über viele Stunden ohne ständige Aufsicht verfolgen
  • Ausdauer und Robustheit – fähig, unter allen Wetterbedingungen und in jedem Terrain zu arbeiten
  • Stimme (Bellen während der Verfolgung) – informiert den Jäger über den Fortschritt

Obwohl diese Rasse besonders in Österreich als Arbeits- und Jagdhund beliebt ist, beginnt sie auch in anderen europäischen Ländern Anerkennung zu finden, wo sie nicht nur für ihre Jagdfähigkeiten, sondern auch für ihr freundliches Temperament und die Fähigkeit, ein loyaler, aktiver Familienhund zu sein, geschätzt wird.

Internationale Anerkennung:

Der Tiroler Bracke wird von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) unter der Nummer 68 in der Gruppe 6 (Bracken), Sektion 1.2 (Mittelgroße Bracken) anerkannt. Der FCI-Standard gilt seit 1996 und bildet die Grundlage für die Zucht weltweit.

Charakteristische historische Merkmale:

  • Eine der ältesten Brackenrassen in Europa (keltische Wurzeln)
  • Lieblingsrasse von Kaiser Maximilian I. (16. Jahrhundert)
  • Spezialisierung: Jagd in den Bergen, Wäldern, Verfolgung von verletztem Wild
  • Dichtes, doppeltes Fell – Anpassung an die rauen alpinen Bedingungen
  • Unabhängigkeit und Selbstständigkeit – Merkmale, die über Jahrhunderte in schwierigem Terrain selektiert wurden

Zusammenfassung:

Der Tiroler Bracke ist eine Rasse mit tiefen, historischen Wurzeln, die über Jahrhunderte den Jägern unter den schwierigsten Bergbedingungen diente. Seine Geschichte spiegelt die Evolution von den alten keltischen Hunden über die Lieblingsbracken von Kaiser Maximilian I. bis hin zu dem modernen, vielseitigen Jagd- und Familienhund wider. Die Rasse hat ihre einzigartigen Merkmale – ausgezeichneten Geruchssinn, Ausdauer, Unabhängigkeit – bewahrt, die sie zu einem unersetzlichen Begleiter für Jäger und aktive Besitzer auf der ganzen Welt machen. Es ist ein lebendiges Erbe der alpinen Jagdkultur, das Jahrhunderte überdauert hat und weiterhin Hundeliebhaber fasziniert.